Bild einer Menschenmenge aus Lego

Werbeattacken machen uns zu Spionageopfern

Digitale Werbeanzeigen finden sich auf jedem Mobilgerät: Ob Apple iPhone oder iPad, Google Android Smartphone oder Tablet, ob App oder Website, personenbezogene Ads verfolgen uns.

Einst warben Einzelhändler und Handwerker mit Plakaten im Schaufenster um die Kunden der Nachbarschaft. Heute machen stattdessen Ads in den mobilen Apps der Smartphones auf naheliegende Gelegenheiten aufmerksam. Das kann gefährlich sein.

„Wir werden alle überwacht, kein Grund, dass man sich Sorgen macht,“ sang einst Georg Danzer. Und als sei es das Credo des modernen Menschen, halten wir uns noch heute daran: Nur nicht nachdenken darüber, dass wir bei unserer digitalen Kommunikation permanent unter Beobachtung stehen. Augen zu und durch? Vorsicht. Denn es sind nicht nur Produzenten und Händler, Konzerne und Agenturen, die uns Online auf Schritt und Tritt mit maßgeschneiderter Werbung verfolgen, um uns etwas zu verkaufen. Auch Stalker, Einbrecher und Erpresser können diese Technik nutzen, bleiben uns auf der Spur, wollen etwas von uns.

Kriminelle Werbepost

Die Kriminellen sind die Werbetreibenden von Morgen. Doch nicht nur sie, sondern auch staatliche Institutionen und private Interessenten finden in der digitalen Werbewirtschaft eine neue Lösung für alte Probleme. Tatsächlich steht es jedem offen, jeden mit Werbung zu verfolgen. Und das im buchstäblichen Sinn. Nicht nur, dass sich der Empfänger von der Reklame, die auf ihn zielt, verfolgt fühlt. Nein, sie teilt dem Absender auch mit, wo der Empfänger ist und wofür er sich gerade interessiert.

Aufgedeckt hat das eine Studie der Universität Washington, die nachweist, dass sich mit digitalen Werbemitteln der Wunschtraum aller Kriminellen und vieler Ermittler, aber auch mancher Arbeitgeber, Ehepartner, Erziehungsberechtigten ganz einfach erfüllen lässt: Mit der passenden Werbekampagne halten sie jederzeit das Ziel der Begierde oder das Objekt ihrer Beobachtung im Auge. Das funktioniert weltweit und rund um die Uhr.

Digitale Personenüberwachung

Alles, was es zu einer gelungenen Personenüberwachung braucht, ist eine möglichst eindeutige Identifikation, nein, nicht des Verfolgten, sondern seines Smartphones. Beispielsweise über die mobile Werbe-ID lässt sich ein Mobile Device genau identifizieren. Diese Identifikationsnummer lässt sich im Untermenü des Handys abfragen. Dort kann sie auch zurückgesetzt oder abgeschaltet werden, aber wer macht das schon. Und dann ist man noch immer nicht vollends geschützt, denn auch ohne mobile Werbe-ID kann man eine Kampagne zielgerichtet auf ein Opfer abstimmen.

E-Mail oder Telefonnummer, URL und Netzwerk-Charakteristika grenzen die Zielgruppe genauso ein wie demografische Merkmale, also Alter, Geschlecht, Rasse und Sprache, Besitz und Karriere, und auch Krankheiten, Religion und Interessen. All solche Kriterien werden von den Anbietern zielgerichteter Werbekampagnen als Auswahlkriterien angeboten. Und wenn es denn erforderlich ist, mehr als eine einzelne E-Mail-Adresse anzugeben, um die Aktion zu starten, so bietet dies keinen Personenschutz. Immerhin kann man ja einfach die anderen E-Mail-Adressen frei erfinden. Dann bleibt am Ende nur wieder das Zielobjekt No.1 übrig.

Verdeckte Ermittlung

Erforscht hat diese verdeckte Ermittlung ein Team der Paul Allen School of Computer Science & Engineering an der Universität von Washington. Und sie haben einen Weg gefunden, wie sich mit ortsgebundener Werbung Menschen orten lassen. Schon heute werden wir über geobasierte Dienste mit immer feiner gestrickten Angeboten als Kunden umworben. Das heißt noch nicht, dass der Händler tatsächlich weiß, wo wir uns als potentielle Käufer aufhalten, denn bei solchen kommerziellen Reklameaktionen gehen wir in der Regel in der Masse der Big Data unter.

Nicht so, wenn uns jemand dezidiert verfolgt: Wer aber am Detail interessiert ist, bucht für seine Zielperson über eine sogenannte Demand Site Plattform, kurz DSP, zielgruppengerechte Werbeplätze. Perfekt abgestimmt können so die Phone-Apps des Opfers zielgenau mit Ads beschicken werden. Fatal: Die Werbe-Ads geben Aufschluss, selbst wenn sie in der Handy-App gar nicht geöffnet oder angetippt werden. Die Auslieferung genügt für eine Rückmeldung. Ihr lässt sich dann entnehmen, in welcher App die Ad gelandet ist. Schon weiß der Auftraggeber etwas mehr über sein Ziel.

Rasterfahndung mit Smartphone

Noch mehr erfährt, wer eine Rasterkarte der Umgebung der Zielperson anlegt, und einen Anzeigenplan ausarbeitet, bei dem verschiedene Ads ausliefert werden, je nachdem in welchem Sektor sich die Zielperson befindet. Der Auftraggeber erfährt somit auf Basis des Inhalts der Anzeige, die rausgegangen ist, wo sein Opfer ist, ob daheim, bei der Arbeit oder an einem anderen werbeüberwachten Ort. Die Voraussetzungen für die Werbe-Schnüffelei, mit der sich auch Vorlieben und Interessen ausspionieren lassen, sind nicht hoch: Eine Webseite und rund 1000 Euro genügen, um ins Werbefeld einzusteigen. Wer sich in die Materie einarbeitet, weiß bald, welche Suchkriterien unterstützt werden und wie man Anzeigen gestalten muss. Und ob Aufenthaltsort oder Gesinnung, Bewegungsprofile oder einfach die Abwesenheit von Daheim ermittelt werden, liegt im Interesse des Auftraggebers und dem Format seiner Werbesendung.

Die Gefahr, dass jeder zu solchen Spionageaktionen in der Lage ist, darf nicht unterschätzt werden.


Bildquelle: eak_kkk, Pixabay

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